Nehmt Euch kurz Zeit, liest es und tragt es bitte weiter : "Aktion Steilkurve in Öschelbronn" -Wenn im Rücken der Herzschlag ins Tausendfache geht, der heiße Atem am Nacken vorbeizischt und die lauten Jauchzer des kleinen Hintermanns im Ohr vibrieren, dann ist das für die beiden Tandem-Piloten Gerd Dörich und Karsten Wörner der Moment des Glücks.

 

Die beiden ehemaligen Rennfahrer haben vor zwei Jahren gemeinsam mit dem Bremer Verein „Aktion-Hilfe für Kinder“ das Projekt „Steilkurve - eine Aktion zaubert ein Lächeln in Kindergesichter“ ins Leben gerufen und wollen damit sehbehinderten und leicht körperlich behinderten Kindern in den Genuss des Bahnfahrens bringen. Vorerst ist das Tandemfahren auf die Öschelbronner Radrennbahn beschränkt. Irgendwann einmal in weiterer Zukunft könnten aber solche Aktionstage auch auf andere deutsche Bahnen ausgeweitet werden. Davon träumt der ehemalige Sechstagefahrer Dörich aus Maichingen bei Sindelfingen.

 

Im ersten Jahr, also 2012, blieb es allerdings allein bei der Premiere im Juli. Damals waren Kinder und Jugendliche der Nikolauspflege und Betty-Hirsch-Schule von Stuttgart und der Bodelschwingh-Schule in Sindelfingen ins überdachte Rad-Oval des RSV Öschelbronn gekommen.

 

Im Sommer 2013 wuchs das Interesse bei den Behinderteneinrichtungen und bei den Familien mit leicht behinderten Kindern für das außergewöhnliche Projekt mit den Tandems, bei denen es sich um Spezialanfertigungen aus Großbritannien handelt, die durch Spenden und Sponsoren finanziert wurden.

 

Zum Sommerfest inklusive Fahrtwind in der Steilkurve waren im Juli letzten Jahres dann rund 150 Menschen gekommen - nicht nur Wiederholungstäter vom Vorjahr, sondern neue Teilnehmer, die neugierig auf das versprochene „Lächeln in der Steilkurve“ waren und auch viel Spaß beim Unterhaltungsprogramm abseits der Bahn hatten, wo auch der Verein „Aktion Hilfe für Kinder“ nebenbei über seine weiteren Aktivitäten informierte.

 

Auch ein Vormittags-“Training“ unter der Woche wurde für eine Schulklasse mit zehn meist sehbehinderten Kindern und Jugendlichen zum Knüller.

 

„Das gibt mir Hoffnung, dass wir mit dieser Aktion mehr und mehr Leute ansprechen können,“ erklärt Projektleiter Dörich jetzt, der 2013 mit einer kleinen Kamera am Tandemvorbau zudem Filmmaterial zu einem kleinen „Steilkurven“-Filmchen beisteuerte, das sich allerdings noch in der Produktionsphase befindet. „Die Kinder und Jugendlichen waren wieder dermaßen dabei, dass ich völlig davon überzeugt bin, dass diese Aktion noch ein richtiger Renner wird“, freut sich der 45-Jährige ehrlich.

 

Eine solches Steilkurven-Abenteuer gestaltet sich wie folgt: Nachdem die Sättel der speziell angefertigten beiden Tandems auf die richtige Höhe gebracht werden, geht es für die Tandempaare bestehend aus Dörich und Wörner und je einem gehandicapten Sozius erst einmal langsam und behutsam auf die Runde der flachen „Cote d'Azur“, bevor die Duos Fahrt aufnehmen und sich Runde um Runde weiter nach oben in die Kurvenerhöhung kurbeln.

 

„Weiter oben an der Balustrade, also der Bande, wo normalerweise die ersten Zuschauer den Rennfahrern zujubeln, ist dann das Lächeln und die Aufregung des Sozius förmlich zu spüren. Auch die Begleitpersonen schauen staunend nach oben ob des Mutes des Kindes, das ja teilweise keine Sicht auf die Dinge, aber trotzdem so viel Vertrauen zu dem Geschehen hat“, fasst Gerd Dörich den entscheidenden Moment in Worte zusammen.

 

Eine Altersgrenze gibt es übrigens nicht. „Aber die Kids sollten schon etwa 1 Meter 35 groß sein, um beim Tandem in die Pedale zu kommen“, sind sich Dörich und sein Kollege Karsten Wörner einig.

Ein bisschen Mut, viel Freude und feste Turnschuhe – mehr wird von den jungen Teilnehmern nicht gefordert. Helme und Radhandschuhe werden gestellt.

Melden können sich alle Handicap-Schulen, Kindertagheime und Kindergärten, aber auch Familien mit behinderten Kindern.

Unterstützt wird die „Aktion Steilkurve“ in Öschelbronn durch die Sponsoren „Müller- Die Lila Logistik“, die Fahrschule Halanke, KED Helme und den RSV Öschelbronn. So bleibt das „Unternehmen Radrennfahrer“ für die Eltern kostenlos.

Und wie fasst es Projektleiter und Ex-Sechstageprofi Dörich so schön bildhaft zusammen :

„Es ist so ähnlich wie der erste Flug eines gerade flügge gewordenen Jungadlers, der den Horst nicht verlassen möchte. Aber wenn er einmal draußen die Flügel ausgebreitet hat und fühlt, dass er fliegen, gleiten und frei sein kann, möchte er fliegen bis zum Himmel! Für uns als Piloten ist DAS der schönste Moment und für uns als Verein DIE Bestätigung, das Richtige getan zu haben, als wir diese Aktion entwickelt haben..“

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Text: uhu // Foto: Projekt Steilkurve

 

 

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